MTZ klärt auf - Interview mit Katja Wess
Gemeinsam statt allein. Immer mehr Menschen entdecken den Mehrwert von Gruppentraining für sich. Ob beim Faszientraining, Zirkeltraining oder einem Gesundheitskurs: Bewegung in der Gemeinschaft kann motivieren, Spaß machen und langfristig zu besseren Ergebnissen führen. Doch worin genau liegt das Erfolgsgeheimnis des Team-Effekts? Darüber spricht Sportwissenschaftlerin Katja Wess im Interview.
Katja, viele Menschen trainieren lieber in der Gruppe als allein. Woran liegt das?
Katja Wess: Das ist tatsächlich ein sehr spannendes Phänomen. Der Mensch ist grundsätzlich ein soziales Wesen, und dieses Bedürfnis nach Gemeinschaft zeigt sich auch im Sport. In der Gruppe entsteht eine besondere Dynamik: Man fühlt sich verbunden, motiviert sich gegenseitig und fühlt sich häufig sogar ein bisschen herausgefordert. Diese sozialen Komponenten können dazu führen, dass man konsequenter trainiert und mit mehr Freude bei der Sache bleibt. Gerade Menschen, denen es schwer fällt, sich allein zum Sport zu überwinden, profitieren sehr stark vom Gruppen- und Gemeinschaftsgefühl.
Also spielt der psychologische Faktor eine große Rolle?
Katja Wess: Definitiv. Wenn man gemeinsam Fortschritte erlebt oder von anderen Zuspruch bekommt, steigert das die Motivation und das Selbstvertrauen. Auch das Gefühl von Zugehörigkeit ist ein wichtiger Aspekt: Wer sich als Teil einer Gruppe wahrnimmt, bleibt in der Regel länger am Ball und empfindet Training weniger als Pflicht, sondern als etwas, auf das man sich freut. Die Gruppe sorgt dafür, dass man sich gegenseitig mitzieht und das insbesondere an Tagen, an denen der innere Schweinehund besonders stark ist. Hier spricht man gerne von dem Effekt der Gruppendynamik.
Gibt es auch körperliche Vorteile, wenn man gemeinsam trainiert?
Katja Wess: Ja, durchaus. Studien zeigen, dass Menschen in Gruppentrainings oft intensiver trainieren, allerdings ohne, dass sie es bewusst merken. Der Spaßfaktor und die gegenseitige Motivation führen dazu, dass man sich mehr anstrengt, die Übungen sauberer ausführt und länger durchhält. Außerdem wirkt sich das gemeinsame Lachen, Anfeuern und Erleben positiv auf das Stressniveau aus. Es werden Glückshormone wie Endorphine und Dopamin ausgeschüttet, was wiederum die Regeneration und das Wohlbefinden fördert. Darüber hinaus ist es wichtig, dass man gezielt aufeinander achtet. Das Miteinander und die Hilfestellung anderen gegenüber, macht vermeintlich Schwächere stärker.
Wie unterscheidet sich Gruppentraining vom Einzeltraining im Hinblick auf die Zielerreichung?
Katja Wess: Das hängt sehr stark von den persönlichen Zielen ab. Wer ganz gezielt an bestimmten Leistungsparametern oder Rehabilitationszielen arbeiten möchte, ist im Einzeltraining oft besser aufgehoben. Gruppentraining hingegen eignet sich hervorragend, um regelmäßig aktiv zu bleiben, Spaß an Bewegung zu entwickeln und langfristig dranzubleiben.
Kann Gruppentraining auch Nachteile haben, zum Beispiel, wenn das Leistungsniveau zu unterschiedlich ist?
Katja Wess: Das ist ein wichtiger Punkt. Natürlich kann es passieren, dass sich manche Teilnehmende unter- oder überfordert fühlen, wenn die Gruppe sehr heterogen ist. Deshalb sollte ein gutes Gruppentraining immer so gestaltet sein, dass jede Person individuell gefordert wird und das unabhängig vom Fitnesslevel. Ich beispielsweise achte immer darauf, verschiedene Übungsvarianten und Anpassungen anzubieten, sodass jeder Teilnehmer auf seinem Leistungslevel abgeholt wird und nicht die Lust an der Bewegung verliert. Hier gilt es ein gesundes Mittelmaß für die Gruppe zu entwickeln.
Welchen Tipp kann man Menschen mitgeben, die bisher lieber allein trainiert haben?
Katja Wess: Ich würde empfehlen, das Training in der Gruppe einfach einmal auszuprobieren, am besten ohne Druck und mit Offenheit. Viele sind überrascht, wie viel Spaß es macht, sich mit anderen gemeinsam zu bewegen. Gruppentraining ist nicht gleich Gruppenzwang, es geht vielmehr um gegenseitige Motivation, Freude an Bewegung und das Teilen von Erfolgen. Und wer sich in der richtigen Gruppe wohlfühlt, findet nicht selten neue Freundschaften und eine langfristige sportliche Routine. Gerne beraten wir Interessierte zudem natürlich bei der Auswahl des passenden Kurses.
Katja, vielen Dank für das Interview.