MTZ klärt auf - Interview mit Marianne Martin
Viele starten motiviert ins Training, doch im Sommer locken Sonne, Natur und andere Freizeitaktivitäten – die Trainingsroutine gerät somit leicht ins Stocken. Doch genau in dieser Zeit zeigt sich, wie schnell hart erarbeitete Fortschritte verloren gehen können. Denn: Kontinuierliches Training ist entscheidend, um Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit langfristig zu erhalten. Physiotherapeutin Marianne Martin erklärt im Experteninterview, warum es sich lohnt, auch während der Sommermonate aktiv zu bleiben.
Marianne, viele Menschen gönnen sich im Sommer eine Trainingspause. Ist das problematisch?
Marianne Martin: Grundsätzlich ist der Gedanke im Sommer etwas kürzer zu treten durchaus verständlich und sicherlich auch menschlich. Dennoch kann es aus meiner Sicht kontraproduktiv sein, wenn die Pause zu lang wird oder gar mehrere Wochen anhält. Dies liegt insbesondere daran, dass der menschliche Körper ein „Anpassungswunder“ ist. Das bedeutet konkret: Muskelkraft, Ausdauer, Koordination, all das lässt sich nur dann aufrechterhalten, wenn man einen kontinuierlichen Trainingsrhythmus beibehält. Außerdem gewöhnt sich der Stoffwechsel schnell wieder an einen geringeren Energieverbrauch, was sich ebenfalls negativ auf Fitness und Leistungsfähigkeit auswirken kann.
Viele denken vielleicht: Ein paar Wochen Pause machen doch nichts. Stimmt das?
Marianne Martin: Das hängt stark davon ab, wie fit jemand ist und wie lange die Pause dauert. Schon nach zwei bis drei Wochen spürt man oft erste Veränderungen – sei es weniger Ausdauer beim Laufen, Muskelkraftverlust oder eine gewisse Antriebslosigkeit. Bei längeren Pausen merkt man das dann deutlicher. Der entscheidende Punkt ist: Trainingseffekte entstehen nicht dauerhaft, wenn der Körper sie nicht regelmäßig „auffrischen“ darf. Ein kontinuierliches Gesundheitstraining ist aus meiner Sicht somit von großer Wichtigkeit.
Wie lässt sich kontinuierliches Training in den Sommer integrieren, ohne dass es zur Belastung wird?
Marianne Martin: Der Schlüssel ist Flexibilität und Alltagstauglichkeit. Erfahrungsgemäß greifen viele Leute nur auf Ausdauersport im Sommer zurück, jedoch sind Krafttrainingseinheiten genauso essenziell. Kurze Einheiten im MTZ, Schwimmen, Radfahren oder eine Joggingrunde am frühen Morgen können die Fitness erhalten. Auch kleine Bewegungsimpulse im Alltag, wie beispielsweise Treppen steigen oder Spaziergänge, tragen dazu bei, dass der Körper aktiv bleibt. Wichtig ist, einen Rhythmus beizubehalten, der sich einfach in den Alltag einfügt.
Kann kontinuierliches Training auch die Motivation steigern?
Marianne Martin: Absolut. Wer regelmäßig trainiert, spürt Fortschritte, fühlt sich fitter, belastbarer sowie energiegeladener und das motiviert erfahrungsgemäß ungemein. Unterbricht man das Training zu lange, geht dieser positive Kreislauf verloren. Kontinuität wirkt also nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche. Man bleibt aktiver, selbstbewusster und ist besser darin, Bewegung als festen Bestandteil des Lebens zu verankern.
Viele schrecken bei warmen Temperaturen dennoch vor dem Training zurück. Wie kann man an heißen Tagen sicher und effektiv aktiv bleiben?
Marianne Martin: Hitze ist tatsächlich eine Herausforderung, aber kein Grund, auf Bewegung zu verzichten. Wichtig ist, die Trainingszeiten anzupassen – also lieber früh morgens oder spät abends aktiv zu werden, wenn es kühler ist. Außerdem sollte man darauf achten ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und auf atmungsaktive Kleidung achten. Zudem sind kühlende Handtücher aus Polyamid und Polyester empfehlenswert, die während des Trainings für Abkühlung sorgen können.
Was rätst du Menschen, die sich trotz Sommerpause fit halten wollen?
Marianne Martin: Lieber kleine, aber regelmäßige Einheiten als gar nichts. Wer zweimal wöchentlich 45 bis 60 Minuten aktiv bleibt, kann seine Fitness weitgehend halten und startet nach dem Sommer viel leichter wieder durch. Außerdem empfehle ich, abwechslungsreiche Aktivitäten zu wählen, sodass Bewegung spannend bleibt und der gesamte Körper wird gefordert. Das ist deutlich effektiver, als nur auf die „Sommerpause“ zu hoffen und danach die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Nutzen Sie zudem die langen, hellen Tage in der Natur, um die ein oder andere Trainingseinheit mit Freunden/Familie und/oder Partner gemeinsam zu bestreiten. Somit wirkt das Training oft nur halb so anstrengend.
Marianne, vielen Dank für das Interview.